Toxoplasmose, die unterschätzte Gefahr
Die weit verbreitete Infektion verläuft meist harmlos. Doch manchmal richtet der Erreger Schaden an
Mehr als die Hälfte aller Menschen infizieren sich im Lauf ihres Lebens mit Toxoplasma gondii. Für die meisten bleibt das ohne Folgen: Sie zeigen gar keine oder nur leichte, grippeähnliche Symptome – und sind danach lebenslang immun.
Riskant ist die Infektion aber für bestimmte Personengruppen, insbesondere für Schwangere, die zum ersten Mal Kontakt mit den Erregern bekommen. Denn diese gefährden das ungeborene Kind.
„Der Parasit kann über den Mutterkuchen auf den Fetus übergehen. Wir schätzen, dass mehr als tausend Kinder pro Jahr im Mutterleib damit infiziert werden“, sagt Professor Uwe Groß, Leiter des Konsiliarlabors Toxoplasmose an der Universität Göttingen. Weitere Risikogruppen nennt das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR): immungeschwächte Patienten – zum Beispiel mit HIV, Krebs oder Colitis ulcerosa – und Kleinkinder unter fünf Jahren.
„Da sich der Erreger nach einer Erstinfektion in das Gehirn zurückziehen und dort unbemerkt überleben kann, besteht bei geschwächtem oder nicht vollständig ausgebildetem Immunsystem die Gefahr, dass die Toxoplasmen reaktiviert werden“, erklärt Groß. Die Folge: Entzündungen des Gehirns und anderer Organe.
Infektion durch Nahrungsmittel
Das BfR wertet die Toxoplasmose deshalb als unterschätzte Gefahr. Auch Dr. Ioannis Mylonas, Leiter der Abteilung Infektiologie an der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München, sieht das so. „Vor allem weiß die Bevölkerung zu wenig über mögliche Infektionsquellen.“
Am häufigsten werden die Toxoplasmen beim Verzehr von rohem oder nicht durchgebratenem Fleisch aufgenommen. Mit mangelhaft gewaschenem Obst und Gemüse sowie durch engen Kontakt mit Katzen – dem Endwirt der Parasiten – kann der Erreger ebenfalls in den Körper gelangen.
Zuverlässige Angaben über die tatsächliche Häufigkeit der Toxoplasmose in der Bevölkerung gibt es nicht. Auch mögliche Folgen der Infektion in der Schwangerschaft sind oft nicht eindeutig zuzuordnen. „Infiziert sich eine Frau vor der 16. Schwangerschaftswoche erstmals mit dem Erreger, kommt es fast immer zu einer Fehlgeburt“, berichtet Mylonas.
In der fortgeschrittenen Schwangerschaft schädigt der Parasit das Ungeborene ebenfalls schwer. Er kann Sehschäden, einen Hydrozephalus (Wasserkopf), Epilepsie und geistige Beeinträchtigungen hervorrufen.
Antikörper-Test empfohlen
Eine akute Toxoplasma-Infektion während der Schwangerschaft können Ärzte medikamentös behandeln. Bei Frauen, die nach einer früheren Infektion nachweisbare Antikörper gegen die Parasiten gebildet haben und keine Immunschwäche aufweisen, besteht kein Risiko einer Übertragung auf das Kind. Aus diesem Grund empfehlen die Experten einen Antikörper-Test zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft.
Uwe Groß betont: „Ein Infektionsrisiko lässt sich jedoch nur dann sicher ausschließen, wenn ein Test vor der Schwangerschaft ein positives Ergebnis zeigt.“
Tipps zur Vorbeugung
Parasiten gelangen vorwiegend über Katzenkot und damit verunreinigte Erde und Futtermittel in die Umwelt. Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte
- kein rohes Fleisch und keine rohen Wurstwaren essen
- bei der Gartenarbeit und der Zubereitung von Fleisch Handschuhe tragen. Danach die Hände gründlich waschen
- Obst und Gemüse – besonders aus Freilandanbau – gut säubern
- nach dem Kontakt mit einer Katze die Hände waschen
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